18. Oktober 2026 bis 24. Januar 2027 | Abstrakte Werke von Fritz Winter und zeitgenössischen Künstlerinnen - Isa Dahl und Eva Hocke

Zum 50. Todestag von Fritz Winter widmet die Städtische Galerie „Fähre“ in Zusammenarbeit mit der Stiftung Domnick und dem Fritz-Winter-Haus in Ahlen dem Maler und Wegbereiter der Abstraktion eine Ausstellung. Rund 30 Werke machen Winters originäre künstlerische Entwicklung von den späten 1920er Jahren bis zur Mitte der 1950er Jahre nachvollziehbar. Mit der Präsentation von Werken der Malerin Isa Dahl und der konkreten Künstlerin Eva Hocke wirft die Ausstellung einen Blick in die Gegenwart weiblicher Positionen. Beide Künstlerinnen performen die Abstraktion und den Umgang mit Farbe auf bemerkenswerte und sehr gegensätzliche Weise. Im poetischen Titel „Schwebendes Schwarz, fliegendes Rot und leuchtendes Gelb“ finden die Arbeiten aus verschiedensten Entstehungszeiten zusammen.
1946 und 1947 gelten als Schlüsseljahre der modernen Kunst. Indem sie den Realismus und die Gegenständlichkeit hinter sich ließen, suchten zahlreiche Künstlerinnen und Künstler nach einem neuen, universellen Ausdruck und entfesselten das große Ereignis der Abstraktion. Zu den führenden Köpfen dieser Bewegung zählte Fritz Winter (1905–1976). Bereits in den 1930er Jahren löste er sich vom Abbild und wandte sich einer ‚biomorphen‘ Ungegenständlichkeit zu. In seinen Werken scheinen Elemente von Erde, Wasser oder Pflanzen auf und insbesondere von Licht. Naturgesetzlichkeiten wie Fallen und Wachsen werden anschaulich. Zunächst aus der strengeren Dessauer Bauhaus-Tradition (1925–1932) kommend, entwickelte Winter nach 1945 eine freiere Malweise. Seine Arbeiten behielten dabei stets eine tiefe, an Naturstrukturen erinnernde innere Architektur – mit Spuren: Winter war 1939 als Soldat eingezogen worden und durchlebte ab 1945 vier Jahre lang Kriegsgefangenschaft. Auf der ersten documenta in Kassel im Jahr 1955 wurden seine Werke zu einem eindrücklichen Beleg dafür, dass die bundesrepublikanische Kunst wieder den Anschluss an das internationale Geschehen gefunden hatte.
„Fähre“-Leiterin Alexandra Karabelas, die die Ausstellung gemeinsam mit Co-Kurator Dr. Uwe Degreif entwickelt hat, erklärt: „Ich freue mich sehr, dass wir nach 1957, als die „Fähre“ erstmals Werke von Fritz Winter in Oberschwaben zeigen konnte, wir heute einen neuen Blick auf sein wegweisendes Werk werfen dürfen – in einem für manche vielleicht unerwarteten Zwiegespräche mit weiblichen Positionen der Gegenwart “
Isa Dahl: „Ein Bild zu malen, ist immer ein Wagnis. Wenn es gelingt, wird es zum ,Freiraum`.“
Denn im spannenden Generationensprung führen die Malerin und Trägerin des Oberschwäbischen Kunstpreises Isa Dahl (*1965) und die konkrete Künstlerin Eva Hocke (*1966) vor, wie „Schwebendes Schwarz, fliegendes Rot, leuchtendes Gelb“ und andere Farben in Strömen, Anordnungen und zum Teil anderen Medien zu völlig neuen Seherlebnissen führen. Während bei Isa Dahl die Bewegung, der Raum und die Unendlichkeit in oft großformatigen Arbeiten im Zentrum stehen und Gefühle von Weite und Verschmelzung auslösen, präsentiert Eva Hocke ein vielseitiges Konvolut konkreter Wandarbeiten von ihren Anfängen bis heute, die durch Ironie und Ereignishaftigkeit überraschen. Auf eigensinnige Weise bespielen beide Künstlerinnen die unendliche Form des Kreises. Dr. Uwe Degreif: „Die Werke von Isa Dahl und Eva Hocke machen anschaulich, wie die Entwicklung der Abstraktion weitergegangen ist: einerseits über die Linie und das Gestische, andererseits über die Fläche und das Konstruktive. Naturbezüge finden sich weiterhin, ebenso ist Licht ein wesentlicher Faktor. Mit ihm hängt die Leuchtkraft von Farben zusammen und das Geschlossene von Flächen“.
Dauer: 18. Oktober 2026 bis 24. Januar 2027
Eröffnung: Sonntag, 18. Oktober 2026, 11 Uhr
Hintergrund
Isa Dahl, 1965 in Ravensburg geboren, studierte ab 1984 in Stuttgart und Düsseldorf, wo sie 1991 Meisterschülerin von Professor Dieter Krieg wurde. Gefördert durch zahlreiche Stipendien – darunter 1995 der Villa Romana-Preis in Florenz – etablierte sie sich rasch in der deutschen Kunstszene. 1994 gründete sie die Künstlergruppe maximal und arbeitet seit 1999 eng mit Daniel Wagenblast zusammen, mit dem sie unter anderem das ISS-Weltraumprojekt Weltenfahrer realisierte. Seit 2006 ist sie geschäftsführendes Mitglied des Künstlerbunds Baden-Württemberg. Für ihr Schaffen wurde sie unter anderem 2023 mit dem Oberschwäbischen Kunstpreis und 2024 mit dem Publikumspreis des Südwestdeutschen Kunstpreises geehrt. Sie lebt und arbeitet in Stuttgart.
Eva Hocke, 1966 in Kassel geboren, absolvierte eine Lehre als Schilder- und Lichtreklameherstellerin, später folgte ein Grafikstudium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Für ihr Diplomprojekt „Helikopter“ wurde sie vom Art Directors Club Deutschland ausgezeichnet.
Nach der ersten Station beim FAZ-Magazin in Frankfurt, entschied sie sich ihren Lebens- und Arbeitsort nach Bad Saulgau zu verlagern, dem Ausgangspunkt ihrer erfolgreichen Tätigkeit als Gestalterin für Museen, Galerien und Unternehmen. Von 2014–2023 war sie Mitherausgeberin des „Mauerläufer“ – Jahresheft für Literatur und Kunst, das 2016 auf die Longlist der „schönsten deutschen Bücher“ kam.
Nach vielen Jahren der zurückgezogenen Kunstproduktion zeigt sie erstmals ein großes Konvolut ihrer Werke.
Premiumsponsor der Städtischen Galerie „Fähre“: Georg Reisch GmbH & Co. KG.
Die Ausstellung wird gefördert von der OEW, Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke.
Begleitprogramm: Führungen, Workshops und Kunstgespräche
Um den Besuchenden einen tiefen Zugang zu den Werken zu ermöglichen, hat die Galerie ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm zusammengestellt. Die Highlights sind:
- Sonntagsführungen: Jeweils sonntags um 15:00 Uhr (Dauer: 60 Minuten, 4 € zzgl. Eintritt) führen Expertinnen und Experten wie Dr. Uwe Degreif, Christina Ossowski, Alexandra Karabelas und Barbara Rössler durch die Räume. (Termine u.a. am 25.10., 01.11., 15.11., 22.11., 29.11.2026 sowie im neuen Jahr bis zum 24.01.2027).
- Sein und Zeit – Philosophieren mit Kunstwerken: Am Sonntag, 15. November 2026, um 11:00 Uhr lädt Catharina V. Wittig zu einer Kurzführung ein, gefolgt von einer philosophischen Auseinandersetzung mit Theodor W. Adornos „Vorlesungen zur Ästhetik 1958/59“ (90 min, 7 € zzgl. Eintritt).
- Kunstgespräch bei Kaffee und Kuchen: Für Seniorinnen, Senioren und alle Interessierten am Mittwoch, 25. November 2026 und Mittwoch, 13. Januar 2027, jeweils um 14:30 Uhr. Dr. Uwe Degreif beleuchtet bei Kaffee und Marmorkuchen abstrakte Malerei, Werke von Fritz Winter sowie zeitgenössische Kunst von Eva Hocke und Isa Dahl (90 min, 12 € inkl. Eintritt).
- Abenteuer Informel! (Kunstworkshop): Samstag, 16. Januar 2027, ab 10:00 Uhr. Unter Anleitung von Kunstpädagogin Barbara Rössler tauchen Teilnehmende nach einer Meditation und einem Kunstgespräch in die Abstraktion ein und kreieren ein eigenes Werk (ab 10 Teilnehmenden, 36,50 € inkl. Eintritt und Material).
Angbote für Schulen und Kindergärten
Kindergärten und Schulklassen profitieren von besonderen Förderungen: Dienstags, mittwochs und donnerstags ab 8:00 Uhr sind exklusive Zeiten für Gruppen inklusive toller Workshops zum Thema Farben reserviert. Private Führungen sowie Angebote für Bildungseinrichtungen sind unter der Telefonnummer 07581/207-160 oder per E-Mail an
Besucher-Informationen
Städtische Galerie Fähre, Hauptstraße 102/1, 88348 Bad Saulgau, dienstags bis sonntags jeweils von 14 Uhr bis 17 Uhr
Kontakt & Anmeldung: Telefon: 07581/207-161
E-Mail:
Websites: bad-saulgau.de | bad-saulgau-erleben.de










